Traumwein Berlin

Ich war am Wochenende zu Besuch bei David, den ich an den WSET Kursen kennengelernt habe. David hat sich kurzerhand entschlossen sein Mathe-Studium an den Nagel zu hängen um sich dem Wein zu widmen. Vielleicht kamen alle Faktoren zur gleichen Zeit zusammen und es passte, der Abbruch des Studiums, der alte Weinladen der in den Räumlichkeiten seiner Eltern eingemietet war schloss seine Türen und eine Leidenschaft für’s Geniessen (wer nicht?) führten zum Entschluss Vollgas zu geben.

TraumWein Berlin

Ein kleiner feiner Weinladen am Prenzlauer Berg. Man sieht auf Anhieb was man kaufen kann, –Wein, und zwar Kistenweise. Die Regale hat David selber aus Europaletten hergestellt und die herumstehenden Kisten machen Lust gleich eine mitzunehmen. David merkt man sein Engagement für Nachhaltigkeit und eine kurze Vertriebskette an. Er hat ordentlich losgelegt seit die Entscheidung vor einem halben Jahr gefallen ist. David will Wein für die Menschen verkaufen, Wein den sich alle Leisten können und der schmeckt. Stolz präsentiert er sein Sortiment. Unter Anderem von Loewen und Steinmetz an der Mosel oder Stodden von der Ahr, Côtes du Rhône’s von Perrin oder D’Angelo aus Apulien.

Hast du dich spezialisiert?

Vorwiegend deutsche Weine ja. Eine kleine Auswahl an französischen, Elsässer und italienischen Produzenten habe ich ebenfalls im Sortiment.

Glaubst du, das mögen deine Kunden?

Ich glaube ja. Ich richte mich an das moderne Prinzip, „buy local“. Ich kaufe nichts aus Übersee zB., weil ich es nicht nötig finde meinen ökologischen Fussabdruck unnötig gross zu machen.. Ich kaufe direkt vom Produzenten, das Preis Leistungsverhältnis stimmt, und die Kunden kommen gerade deswegen wieder.

Wie wird der Jahrgang 2015?

Bei einem vernünftigen Winzer immer gut.

Weisswein im Winter?

(…) Auf jeden Fall. Spätlese! zB: Das Trittenheimer Leiterchen 2004, vom Weingut Milz-Laurentiushof.

Montag bis Freitag trinke ich?

Als Kunde trinke ich das was mir am meisten Spass macht. zB. den 180° Riesling von Milz-Laurentiushof oder einen Côtes du Rhône von Perrin.

Am Wochenende mit Freunden?

Ich trinke sehr gerne einen Cartizze. Das trinkt man mit den guten Freunden.

Also nix wie hin zu Traumwein und probieren. Vielleicht landet ihr auch gerade in einer Jam Session, denn die Gitarre steht bereit. Ob David singt..?

Kopenhagener Straße 6 10437 Berlin

0176 23199069

Mo. – Sa. 12.00 – 21.00 Uhr

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Terre des Aînés A.O.C. Gigondas

Wenn sich das Licht draussen verändert, einen leicht goldenen Schimmer annimmt, und ein kühler Morgen den Herbst ankündigt, kann man nochmals in Gedanken und im Glas den dahinziehenden Sommer aufblühen lassen und sich erinnern wie es war, als Stechginsterbüsche in der flirrenden Hitze noch nicht einmal raschelten, die Hitze einen zu Boden drückte und die Flipflops auf dem Asphalt schmolzen.

Montirius Terre des Aînés A.O.C. Gigondas

Was passt besser zu flirrender Hitze und Frankreich als Grenache? Grenache und Mourvédre, bio-dynamisch vinifiziert, aus der am Fusse der Dentelles de Montmirail gelegen Domaine Montirius. Ein wunderbarerer Wein, fast leichtfüssig könnte man beim ersten riechen meinen. Dicht und Komplex kommt er im Geschmack, flüssiges Gold auf der Zunge. Perfekt ausgewogen in Frucht und Tanninen. Dunkle Beeren und eine feine würzige Note klingen noch lange nach.

Ich erinnere mich an den Satz eines Winzer’s, dass man einen Wein erst kennengelernt hat, wenn man die ganze Flasche getrunken hat.. Das habe ich vor, -und keiner wird mich aufhalten.

Domaine Montirius

Der Besuch eines biodynamischen Weinguts war für mich eine ganz besondere Erfahrung und ein Ort, der mich seitdem nicht mehr loslässt.

Domaine Montirius – Vignoble Bio-dynamique

Die Domaine Montirius liegt wunderschön am Fusse der Dentelles de Montmirail, inmitten der Appellation Vacqueyras, an der südlichen Rhône.

Eric Saurel ist Winzer seit er denken kann. Seine Eltern, Grosseltern und noch weiter zurück bis ins 15. Jahrhundert, produzierten hier Wein. Als er jedoch 1986 zusammen mit seiner Frau Christine das elterliche Gut übernahm, änderte sich einiges. 

Eric wollte schon früh die Qualität der Weine und was seine Reben hergaben verbessern. Also verliess er sich auf sein Bauchgefühl und probierte Neues aus. Nach und nach verzichteten sie auf Pestizide und die Pflanzen dankten es ihnen.

Etwas später wurden sie auf die biodynamische Arbeitsweise aufmerksam und merkten, sie waren auf dem richtigen Weg. 1996 stellte das Gut vollständig auf Biodynamie um und war damit das erste zertifizierte biodynamische Weingut der Appellationen Gigondas und Vacqueyras.

Für Eric Saurel ist Biodynamie eine Grundhaltung. Ein Kreislauf. Geben und nehmen. Ein wunderschöner Ansatz, -der funktioniert. Die Weine der Domaine Montirius sind geschätzt.

Montirius, der Name, abgeleitet aus den Namen seiner Kinder Manon, Justine und Marius, umfasst 58 Hektar Anbaufläche, aufgeteilt in 38 Parzellen. Sie produzieren AOC Gigondas, AOC Vacqueyras in Weiss, Rosé und Rot, AOC Côtes du Rhône sowie Vin de Pays de Vaucluse. Und Eric bezeichnet die Arbeit mit den Reben als würden Sie ihr viertes Kind versorgen.

Die Rebstöcke sind zum Teil 80 Jahre alt, und haben tiefe Wurzeln geschlagen. Nach biodynamischen Prinzipien bewässert Eric seine Reben nicht künstlich, -nein, -sie kommen mit dem was die Natur und das Klima bieten aus. Dabei helfen ihnen sog. Mykorrhizen, (kleine nette Pilze) -die in gesundem Boden natürlich vorkommen-, und sich an die Wurzel der Pflanze binden. Dadurch vermögen die Reben erheblich mehr Nährstoffe und Wasser aus dem Boden zu ziehen, gleichzeitig geben diese kleinen Helfer durch die oberirdisch stattfindende Photosynthese auch wieder Leben an den Boden ab, -ein Kreislauf den mir Eric direkt vor Ort eindrucksvoll demonstriert.

Ein weiteres Experiment ist, auf einer Parzelle unterschiedliche Rebsorten zu kultivieren, um so u.a. auch Mangelerscheinungen vorzubeugen. Würde zB. eine einzelne Parzelle nur mit der Mourvèdre Traube bepflanzt werden, kann es sein, -da Mourvèdre alleine nicht genügend Eisen aus dem Boden beziehen kann, dass Eisenmangel in Form gelber Blätter in Erscheinung tritt. Wächst hingegen eine Reihe weiter Grenache, die durchaus alleine genug Eisen aufnimmt, verbinden sich unterirdisch die oben genannten Mykorrhizen, und verhelfen so der Mourvèdre zu genug Nährstoffen. Zudem entsteht eine weitere, neue Form dieser Pilze an der Wurzel. Ein dynamischer Prozess, so einleuchtend und geheimnisvoll zugleich.

Ich glaube es ist das was mich beim ersten Schluck dieser Weine berührt. Sofort das Gefühl zu haben mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen, die Hitze zu spüren und die würzige Luft einzuatmen.

Ich könnte Eric noch viel länger zuhören, ich bin fasziniert von jedem Arbeitsschritt. Denn im Keller wird es noch komplexer und auch hier sind die Arbeitsschritte ein harmonisch ineinandergreifendes Spiel. Und auch während der zweijährigen Reifung in Zementtanks, der „Nursery“, wie die unterste Ebene des Kellers liebevoll genannt wird, begleiten die Weine Worte, Informationen, liebevoll von Justine – der ältesten Tochter – ihrer Inspiration folgend auf eine Kreidetafel notiert.

Wäre Eric eine Rebe, wäre er eine Bourboulenc. Natürlich in seinem Anbaugebiet. Denn die Bourboulenc, eine alte und oft verkannte Rebsorte die scheinbar nicht richtig ausreife, hat Eric zur Vollendung gebracht, indem er sie ziemlich spät erntet, und sie dadurch voll ausreifen kann. Dem weissen Vacqueyras „Minéral“ beschert sie so zur Hälfte eine wunderbar mineralische Frische.

Montirius ist ein tolles Weingut, eine wunderbar nette Familie und ich bin überaus dankbar, dass ich diesen kurzen Besuch nutzen konnte um Eric und seiner Tochter Manon ein paar Fragen zu stellen. Es ist hier noch längst nicht alles erzählt, -und vielleicht gibt es auch eine Fortsetzung. Die Weine die ich mitgebracht habe werde ich auf jeden Fall mit Freuden geniessen.

Domaine Montirius – Kontakt

Rosso di Casa Romagnoli

Haltet euch fest. Mittlerweile steht dieser Wein zum vierten Mal bei mir Zuhause auf dem Tisch. Und das obwohl bei der ersten Verkostung, ein toller Abend übrigens bei Kühne Lage, ich den Wein zu Anfang als verschlossen, pelzig und völlig nicht der Rede wert abtat. Noch am selben Abend änderte ich meine Meinung.

Il Rosso di Casa Romagnoli

Wir rollen die Landkarte aus. Schwingen den Daumen in die Luft und lassen ihn Richtung des grossen Stiefels niedersausen, korrigieren leicht nach rechts auf den breiteren Teil, Breitengrad Höhe Florenz, und sehen die Küste von Ancona vor uns. Marken. Etwas weiter im Landesinnern Morro d’Alba, eine kleine mittelalterliche Stadt, vor deren Toren die Casa Romagnoli liegt.

Der Basiswein des Weinguts wird aus Sangiovese, Montepulciano und Lacrima gekeltert. Letztere Sorte wird sogar nur im Umkreis von 15km um Morro d’Alba angebaut.

Man kann also wirklich weinen vor Freude. Dieser Wein ist fruchtig, mit mittlerer Säure und wenig Tannin (pelzig, ihr erinnert euch?), schmeckt nach Kirschen und reifen Pflaumen und sogar ein Hauch Blütenduft dringt in mein Stammhirn.

Und ich weine immer noch: 5.90 Euro bei Kühne Lage. Ab gehts, denn das Weingut sei so klein, dass man die Fässer im Keller an einer Hand abzählen könne. Wer weiss ob ich nicht schon vor euch alles leergekauft habe.

Knipser Spätburgunder „Kalkmergel“

Knipser. Ein Name. Man kennt ihn. Oder? Ich habe bisher noch keinen Wein des Pfälzer Weinguts getrunken, und kann mich auch noch zu keinen weiteren Kenntnissen der Weine des um 1615 gegründeten, – (in der Pfalz, die Knipser kommen ursprünglich aus Südtirol) Familienunternehmens loben. Doch das muss ich ändern:

Knipser Spätburgunder „Kalkmergel“

Von meinem Freund Alex, aufgrund meiner wachsenden Leidenschaft für Spätburgunder geschenkt, trinke ich diesen Wein unkonventionell an einem Dienstag Abend zu meinem Spargel-Hähnchen Gericht, – und bin wieder einmal hin und weg vom Geschmack und der Fülle die sich mir schon beim öffnen der Flasche offenbart.

Hey, acht Jahre geruht und eine so tolle Frische. Dezente Noten von roten Kirschen, reifen Himbeeren und leichter Würzigkeit in meiner Nase. Eine feine Säure mit leichten Tanninen breitet sich angenehm im Mund aus und ich schmecke wieder rote Kirschen und ganz fein Erdbeeren? Fast schon süsslich will ich mir einreden, und entdecke etwas Holz und wieder diese Würzigkeit – Nelken? Gepfeffertes Fleisch?

Ganz toller Trinkspass, -die Flasche ist leer und ich bin glücklich.. Alex: Ich brauche Nachschub ,-))