Guigal La Turque 2012

Guigal. Der Name ist Programm. Man hört von ihm, liest von ihm, und vielleicht denkt man auf dem Weg in den jährlichen Sommerurlaub doch mal endlich daran anzuklopfen, an der berühmten Kellertür nahe Ampuis, um vielleicht, ja nur vielleicht, zu kosten wovon die Welt spricht, von den legendären „LaLaLa´s“, den drei Spitzenweinen der Côte Rôtie.

Damals noch kennengelernt in der 11+1 Aktion seines einfachen Côtes du Rhône, und gedacht, das ist schon ein toller Wein zu einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis, – und „zack“, ehe man es sich versieht – steht er vor einem im Glas, an einem „einfachen“ Donnerstagabend während einer Blindprobe großer Weine.

Das spannende an einer Blindprobe ist, dass man unvoreingenommen und analytisch an einen Wein herangehen muss. Der kleinste Hinweis (Flaschenform, Ummantelung, Farbe) und schon spielt einen das Gehirn einen Streich und man denkt sich sonst was zurecht. 
Auch bei diesem Wein gingen die Vermutungen weit auseinander: „Zuviel Holz, Vanille, Neue Welt, nein Tempranillo, oder doch Merlot?“
Doch man sollte sich erst wieder in Erinnerung rufen was Syrah ist und was Syrah kann. In ihrer besten Ausprägung ist sie fein und filigran, unglaublich komplex und vielschichtig mit feinem, jedoch kräftigen Tannin. Manchmal kann sie ausladend und fast schon fruchtsüß daherkommen – stark wandelbar und immer spannend.
Erst reife Erdbeere, etwas Würze und dann doch Johannisbeere (ein Hinweis?) und eine pfeffrige, rauchig, salzige Note versteckt hinter doch etwas zu vordergründigem Holzeinsatz.
Vielleicht der Jahrgang, vielleicht der Zeitpunkt. Nicht ganz das was wir uns von der nördlichen Rhone gewohnt sind. Viele Faktoren spielen eine Rolle wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, einen großartigen Wein zu öffnen.
Doch was da im Glas vor mir steht lässt mich nicht los. Ich stehe in Gedanken vor den steilen und kargen Hängen der Côte Rôtie. Des verbrannten Hangs, an dessen Flanken der Mistral so unerbittlich reißen kann, dass selbst die traditionelle Erziehungsform, das sogenannte „échalas“ der drei zusammengebundenen Pfähle, kaum Schutz zu bieten vermag. Unerbittlich brennt die Sonne danieder, auf die Côte Brun, die legendäre Lage die ihren Namen aufgrund des hohen Eisengehaltes im Boden trägt. 
Die Bilder zollen Respekt. Respekt vor einer Pflanze die sich solchen Kräften behauptet und dabei zu Höchstleistung fähig ist.
Das ist Rhône. Kraft, Finesse und Geschick. Perfekt balanciert durch die Hände des legendären Guigal.

Jetzt trinken. Die Flasche bestaunen und den großen Augenblick genießen.

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